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Ursachen der Sterilität

  1. Sterilitätsursachen bei der Frau
    1. Hormonelle Ursachen
      1. Androgenstörungen
      2. Prolaktinstörungen
      3. Andere Hormonstörungen
    2. Störungen des Weges
      1. Gebärmutterhals (Zervix)
      2. Gebärmutter (Uterus)
      3. Eileiter (Tuben)
      4. Eierstöcke (Ovarien)
  2. Sterilitätsursachen des Mannes

I. Sterilitätsursachen bei der Frau

Ursächlich für einen unerfüllten Kinderwunsch können folgende Faktoren auf Seiten der Frau sein:

  • Hormonelle Veränderungen
  • Veränderungen, die den Weg der Samenzellen von der Scheide zum Eileiter behindern oder auch den Transport der Eizelle vom Eierstock in die Gebärmutter (z. B. Gewebsverklebungen nach Entzündungen, Myome, Endometriose)

1.1 Hormonelle Ursachen

Die Regulation des Monatszyklus erfolgt durch ein kompliziertes Regelwerk, an dem verschiedene Organe und zahlreiche Hormone beteiligt sind. So werden unter dem Einfluß des Großhirns und des Zwischenhirns Hirnanhangsdrüsenhormone gebildet, die die Reifung von Eizellen in den Eierstöcken bewirken. In den Eierstöcken werden andererseits Hormone gebildet, die wiederum die Bildung von Hirnanhangsdrüsenhormonen ("Hypophysenhormon") stimulieren aber auch bremsen können. Die wichtigsten Hormone der Eierstöcke sind Östrogene, Gestagene und Androgene. Auch andere Organe bzw. Hormonsysteme greifen in diesen Regelkreis ein.

Etwa in der Mitte eines Zyklus erfolgt der Eisprung ("Ovulation"); hierbei wird eine Eizelle aus einem Eibläschen (" Follikel ") freigesetzt und vom Eileiter aufgefangen. Im Eileiter kann die Befruchtung der Eizelle erfolgen. Nach der Befruchtung entwickelt sich aus der Eizelle ein Embryo, der innerhalb von 5 bis 7 Tagen in die Gebärmutter transportiert wird und sich in der Gebärmutterschleimhaut einnistet.

Mit dem Eisprung entwickelt sich aus dem Eibläschen ein Gelbkörper ("Corpus luteum"), der das für die Einnistung und Entwicklung einer Fruchtanlage erforderliche Gelbkörperhormon ("Progesteron") bildet.

Da das Gelbkörperhormon einen gewissen Anstieg der Körpertemperatur bewirkt, kann durch Messung der morgendlichen Aufwachtemperatur ("Basaltemperatur ") auf einen Eisprung rückgeschlossen werden, wenn die in einer Tabelle aufgezeichnete Temperatur (" Basaltemperaturkurve") insgesamt ansteigt und die Temperatur für mehrere Tage erhöht bleibt. Die Basaltemperaturmessung ist deshalb eine einfache orientierende Untersuchungsmaßnahme, deren Aussagefähigkeit aber begrenzt ist.

Man kann mit Hilfe des Ultraschalls ("Sonografie") die Eibläschen messen ("Follikulometrie"), die in einem Zyklus heranreifen; gleichzeitig kann man abschätzen, wann der Eisprung erfolgen wird. Reife Follikel erreichen eine Größe von 1,8 bis 2 cm.

Verschiedene Einflüsse können die hormonelle Regulation beeinflussen, so daß eine Follikelreifung nicht zustande kommt oder gestört verläuft. Hierbei kann der Eisprung gänzlich ausbleiben. Zyklusstörungen mit Zwischenblutungen, verlängerten oder verkürzten Blutungsintervallen und Ausbleiben der Regel ("Amenorrhoe") sind die Folge. Durch diese Einflüsse wird der Eintritt einer Schwangerschaft erschwert oder unmöglich.

Zu den Störfaktoren gehören beispielsweise Streß, Eßstörungen, Über- oder Untergewicht. Außerdem lassen sich einzelne Hormonstörungen beschreiben, die diagnostiziert und therapiert werden können.

Verschiedene Hormonstörungen können die Eizellreifung beeinträchtigen. Diese Hormonstörungen können durch spezielle Messungen aus dem Blut festgestellt werden. Die wichtigsten Störungen sind im folgenden beschrieben:

1.1.1 Androgenstörungen

Androgene sind Hormone, die in den Eierstöcken und Nebennierenrinden gebildet werden. Vermännlichungserscheinungen wie Akne, Haarausfall und vermehrte Behaarung treten auf, wenn sie im Übermaß gebildet werden; erhöhte Androgene wirken sich aber nicht unbedingt in dieser Weise aus.

Erhöhte Androgene führen aber meist zu einer Beeinträchtigung der Follikelreifung. Deshalb gehört der Ausschluß einer Androgenstörung ("Hyperandrogenämie") zur Hormonuntersuchung; hierbei können die Hormone: Testosteron, DHEAS, DHEA und Androstendion gemessen werden; aus der Konstellation dieser Hormone ergeben sich Hinweise auf den Ort ihrer Bildung, Eierstock oder Nebennierenrinde.

Übergewichtige Frauen haben häufiger Androgenstörungen, da im Fettgewebe Hormone gespeichert und umgewandelt werden. Wenn Medikamente zur Anregung der Follikelreifung bzw. zur Auslösung eines Eisprungs gegeben werden, besteht bei Frauen mit Hyperandrogenämie einerseits die Möglichkeit, daß die Ansprechbarkeit auf diese Therapie herabgesetzt ist, andererseits eine Überreaktion mit Bildung mehrerer Eibläschen eintritt.

Um diese Situation zu verbessern, erhalten Patientinnen mit Androgenstörungen ein Kortisonpräparat in sehr niedriger Dosierung, das die Androgenbildung unterdrückt. Diese Therapie ist frei von Nebenwirkungen, da Kortison nur in minimaler Dosierung verabreicht wird und nicht in einer Dosierung entsprechend einer Therapie von Allergien und anderen Erkrankungen.

1.1.2 Prolaktinstörungen

Eine Störung des Prolaktins, eines Hormons der Hirnanhangsdrüse ist häufig. Durch Streß, Medikamente und oft unbekannte Ursachen kann eine verstärkte Prolaktin-Ausschüttung ("Hyperprolaktinämie") bedingt sein. Hierdurch wird ggf. die Reifung der Eizellen beeinträchtigt. Um dies zu korrigieren, werden in niedriger Dosierung Medikamente verordnet, die die Prolaktin-Ausschüttung normalisieren. So kann eine Verbesserung der Follikelreifung erzielt werden.

1.1.3 Andere Hormonstörungen

Die Follikelreifung kann auch durch sog. Rückkopplungsstörungen beeinflußt werden, wenn Androgen- und Prolaktinstörungen ausgeschlossen sind; dies sind Störungen im Bereich des Zwischenhirns, des Hypothalamus und der Hirnanhangsdrüse ("Hypophyse"); die Behandlung besteht in der Gabe eisprungauslösender Medikamente.

Schilddrüsenfunktionsstörungen können ebenfalls die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und müssen deshalb erkannt bzw. behandelt werden.

Selten sind Anlagestörungen der Eierstöcke, so daß nicht genügend oder keine Follikel vorhanden sind bzw. der Follikelvorrat vorzeitig erschöpft ist ("primäre Ovarialinsuffizienz" bzw. "Klimakterium praecox"). Diese Frauen können nur durch eine Eizellspende schwanger werden. Dies ist eine Methode, die derzeit in der Bundesrepublik Deutschland nicht zulässig ist.

1.2 Störungen des Weges

Der Weg, den die Samenzellen ("Spermien") durch den Gebärmutterhals, die Gebärmutter und die Eileiter zurücklegen müssen, kann verlegt oder behindert sein.

1.2.1 Gebärmutterhals (Zervix)

Hier liegt ein Drüsenfeld, in dem zähflüssiger Schleim für Verschluß- und Abwehrfunktionen gebildet wird. Unter dem Einfluß der vor dem Eisprung stark ansteigenden Östrogene wird dieser Schleim reichlicher, klarer und dünnflüssiger ("Zervixfaktor", "Spinnbarkeit"), so daß Bedingungen eintreten, die überhaupt erst einen Transport bzw. eine Wanderung der Spermien möglich machen.

Wenn die Funktion dieses Drüsenfeldes z.B. nach Operationen am Gebärmutterhals, Entzündungen oder hormonell bedingt gestört ist, ist der Eintritt einer Schwangerschaft erschwert oder unmöglich.

1.2.2 Gebärmutter (Uterus)

Unerfüllter Kinderwunsch ist seltener auf Störungen im Bereich der Gebärmutter zurückzuführen. Allerdings spielt das Ausmaß der Schleimhautreaktion im Verlauf eines Zyklus eine wichtige Rolle; unter Hormoneinfluß soll die Schleimhaut ("Endometrium") wachsen ("Endometriumproliferation"), damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann ("Nidation"). Im übrigen können Veränderungen wie Verwachsungen innerhalb der Gebärmutter sowie Myome durch Ultraschall und Spiegelung der Gebärmutterhöhle ("Hysteroskopie") erkannt werden.

1.2.3 Eileiter (Tuben)

Funktionsfähige Eileiter sind Voraussetzung für den Eintritt einer Schwangerschaft. Sie fangen die bei der Ovulation freigesetzten Eizellen auf ("Ei-Auffang-Mechanismus"); hier findet die Befruchtung der Eizellen durch die Samenzellen statt. Nach der Befruchtung erfolgt der Transport der Eizelle in die Gebärmutter innerhalb von 5 bis 7 Tagen bis zur Einnistung.

Entzündungen können zum Verschluß der Eileiter führen, so daß eine "tubare Sterilität" eintritt. Die Diagnose kann durch Kontrastmitteluntersuchung der Gebärmutter röntgenologisch ("Hysterosalpingografie") oder sonografisch ("Kontrastmittelsonografie") gestellt werden. Eine umfassendere Information gibt allerdings die Bauchspiegelung ("Laparoskopie"), bei der der Austritt eines Kontrastmittels, das über den Gebärmutterhals appliziert wird, aus den Eileitern direkt beobachtet werden kann ("Chromosalpingografie"). Die Bauchspiegelung gibt außerdem Informationen über andere Veränderungen im Bereich des kleinen Beckens wie Verwachsungen oder Endometrioseherde. Eine neuere Methode zur Funktionsprüfung der Eileiter ist die sog. Hydro-Laparoskopie, bei der von der Scheide aus in einer kurzen Narkose Eierstöcke und Eileiter untersucht werden können.

1.2.4 Eierstöcke (Ovarien)

In den Eierstöcken befinden sich die schon von Geburt an angelegten Eizellen in einem noch unreifen Stadium. Von der Pubertät an entwickelt sich unter dem Einfluß der Hormone jeweils eine Eizelle pro Monat bis zur Reife, d. h. bis zur Befruchtungsfähigkeit. Zwischen dem 12. und 14. Zyklustag tritt der Eisprung ein, so daß während dieser "fruchtbaren Tage" eine Schwangerschaft eintreten kann.

In den Eierstöcken erfolgt die Bildung zahlreicher "weiblicher" Hormone, einiger Androgene und des Gelbkörperhormons.

Die Eierstöcke ("Ovarien") sind die weiblichen Keimdrüsen, in denen eine Vielzahl von Hormonen gebildet werden, die im Leben einer Frau eine wichtige Rolle spielen ("Östrogene", "Gestagene", "Androgene"). Die Bildung dieser Hormone unterliegt komplizierten Regelkreisen, an denen die Hirnanhangsdrüse ("Hypophyse") ebenso beteiligt ist wie die Nebennierenrinde und das Fettgewebe. Auch psychische Einflüsse und Streßfaktoren spielen für die Eierstocksfunktion eine erhebliche Rolle.

Zusammenfassend kann der Frauenarzt durch gynäkologische Untersuchung, Einsatz von bildgebenden Verfahren und Hormonanalysen, die Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches der Frau klären; mit den gleichen Mitteln kann der Erfolg von Behandlungsmaßnahmen überprüft werden. Bei ausbleibendem Erfolg können die Behandlungsmaßnahmen an neu erkannte Faktoren angepaßt werden.

II. Sterilitätsursachen des Mannes

Genetische Störungen (Störungen der Erbanlagen), Entzündungen, hormonelle Störungen, immunologische Störungen (Störungen des "Abwehrsystems") und unbekannte Faktoren können zu einer Beeinträchtigung der Zeugungsfähigkeit führen. So kann durch entzündlich bedingten Verschluß der Samenleiter der Samenerguß keine Spermien enthalten ("Azoospermie"). Die Zahl der Spermien kann reduziert sein ("Oligozoospermie"), die Beweglichkeit kann beeinträchtigt sein ("Asthenozoospermie"). Ist die Morphologie der Spermien gestört, d.h., die Zahl der Samenzellen mit Formveränderungen erhöht, spricht man von "Teratozoospermie". Wenn alle diese Faktoren zutreffen, handelt es sich um ein "OAT-Syndrom". Eine mehr oder weniger deutliche Einschränkung der Samenqualität findet man bei fast der Hälfte der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch!

In den letzten Jahren hat die "künstliche Befruchtung" die Aussichten auf ein Wunschkind trotz eingeschränkter Zeugungsfähigkeit erheblich verbessert.